Chronik

 Die Geschichte....

90 Jahre Musikverein Grafenberg – 1926 bis 2016

Wenn wir einen Blick in die Vereinschronik des Musikvereins Grafenberg werfen, muss anerkennend festgestellt werden, dass sich der Verein trotz harter Krisen und Schicksalsschläge bis zum heutigen Tag behaupten konnte. Seine Entwicklung beweist, dass durch engagierten Einsatz und vernünftige Jugendarbeit die Erfolge nicht ausbleiben. Nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Umgebung wurde die Grafenberger Musikkapelle zu einem Markenzeichen anspruchsvoller Blasmusik.

Musikbegeisterte junge Grafenberger haben sich in den ersten Tagen des Jahres 1926 zusammengefunden und aus eigener Tasche Musikinstrumente erworben. Zunächst wurde auf dem Grafenberger Wahrzeichen, dem Hausberg, geübt. Die Klänge der Musik sind nicht ungehört geblieben. Hermann Gehring nahm sich der jungen Musiker wohlwollend an, und so wurde am 11. April 1926 im Gasthaus "Berg" der Grafenberger Musikverein ins Leben gerufen. Dass es mit dem Musikverein bald aufwärts ging, zeigte die Mitgliederzahl von 34 Musikanhängern zum Ende des Gründungsjahres. Ab 1928 leitete Dirigent Greiss aus Nürtingen die Kapelle. Nach drei Jahren schied Hermann Gehring aus gesundheitlichen Gründen als 1. Vorsitzender aus. Sein Nachfolger wurde Fritz Bosch. Auch beim Dirigenten war ein Wechsel eingetreten. Hermann Greiss übergab den Dirigentenstab an Herrn Lehmaier.

1930 trat der Verein der Musikervereinigung Hohenneuffen bei und richtete ein Jahr später das Musikfest, verbunden mit einem Kinderfest aus. Eine stete Aufwärtsentwicklung zeigten in den folgenden Jahren die Erfolge bei diversen Wertungsspielen. Die damaligen durch die junge Kapelle errungenen Ia-Preise und die Noten "vorzüglich" konnten sich sehen lassen. Weitere Veränderungen gab es in der Vorstandschaft und am Dirigentenpult in den nächsten Jahren. 1. Vorsitzender Fritz Bosch gab 1933 sein Amt an Jakob Maisch, dieser zwei Jahre später an Fritz Buchmann ab. Dirigent Lehmaier über-gab 1934 die musikalische Leitung an Herrn Rump aus Nürtingen.

Im großen Rahmen wurde 1936 das 10-jährige Vereinsjubiläum unter Mitwirkung mehrerer Kapellen aus der Nachbarschaft gefeiert. Im selben Jahr verließ Dirigent Rump die Kapelle. An seine Stelle trat Herr Geissler aus Nürtingen. 1938 ging die Vorstandschaft von Fritz Buchmann auf Otto Doster über. Im Februar 1938 übernahm Kapellmeister Robert Völter aus Metzingen die Kapelle und leitete sie in guten und schlechten Zeiten. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erfasste 18 Mitglieder, darunter 6 aktive Mitglieder und forderte seine Opfer. Der regelmäßige Musikstundenbetrieb wurde eingestellt.

Nach Kriegsende 1947 fanden sich musikliebende Grafenberger zusammen, um den Musikbetrieb wieder auferstehen zu lassen. Am 15. Februar 1947 kam es im Gasthaus "Linde" zur Wiedergründung des Vereins. Da der letzte Vorstand gefallen war, wurde Robert Hauber zum 1. Vorsitzenden gewählt und leitete die Geschicke des Vereins 9 Jahre lang. Robert Völter übernahm wieder die musikalische Leitung. 1949 wurde nach 10-jähriger Unterbrechung das erste große Fest nach dem Krieg mit Kinderfest durchgeführt. Der Klangkörper hatte sich in den Nachkriegsjahren erfolgreich entwickelt und wurde auch von benachbarten Gemeinden gerne zu Auftritten eingeladen.

Das 25-jährige Vereinsjubiläum wurde am 9. Juni 1951 mit Kinderfest gefeiert. Im Jahr 1956 gab Robert Hauber sein Amt aus familiären Gründen an Fritz Knoblauch ab. Auch von ihm wurde das Vereinsschiff in stetem Aufwärtskurs gesteuert. Der Höhepunkt 1956 war das 30-jährige Vereinsjubiläum, verbunden mit dem Musikfest der Musikervereinigung Hohenneuffen und ei-nem Kinderfest. 1958 gab es wieder einen Dirigentenwechsel. Karl Kißlich löste Robert Völter ab. In diesen Jahren wurden auch Konzerte, Weihnachtsfeiern und Ausflüge veranstaltet. 1960 bestritt der Verein neue Wege der Unterhaltung und nahm zum Sommerfest Verbindung mit der Schuhplattler- und Jodlergruppe aus Waldburg bei Ravensburg auf. 1961 stand erneut ein Dirigentenwechsel an. Ernst Mayer löste Karl Kißlich ab. Die Jugendarbeit wurde in dieser Zeit intensiv gefördert, daran war maßgeblich Otto Mayer beteiligt. Die ersten 6 Jungmusiker konnten in die Kapelle aufgenommen werden. Nach der grünen "Wehrmachtsuniform" präsentierte sich die Kapelle 1962 zum ersten Mal mit neuer Tracht der Öffentlichkeit. In den folgenden Jahren wurden Standkonzerte vor dem Rathaus und vor der Schule abgehalten. 1964 nahm der Verein als Ausrichter des Musikfests der Musikervereinigung Hohenneuffen Kontakt mit der Trachtenkapelle aus Seeg im Allgäu auf. Jahrelang gehörte ein Besuch im Naturtheater Hayingen zum festen Programm.

Eine Wachablösung in der Vorstandschaft erfolgte am 5. Februar 1966. Fritz Knoblauch gab nach 10-jähriger wirkungsvoller Tätigkeit sein Amt als 1. Vorsitzender an Franz Matuschek ab und wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum 40-jährigen Jubi-läum 1966 wurde mit der Kapelle eine Rundfunkaufnahme für die Sendung "Mit Volksmusik ins Land hinaus" gemacht. Zum Jubiläumsfest selber konnten namhafte Künstler verpflichtet wer-den. 1968 wurde dann erstmals mit der Trachtenkapelle aus Gmund am Tegernsee Kontakt aufgenommen, der sich in den Folgejahren zunehmend vertiefte. Am Dirigentenpult vollzog sich 1969 wieder ein Wechsel. Fritz Lauxmann aus Bempflingen löste Ernst Mayer ab und war 15 Jahre lang bemüht, einen guten Klangkörper zu formen, aber auch die Jugend zu motivieren. 1971 war der Verein wiederum Ausrichter des Musikfests der Musikervereinigung Hohenneuf-fen. Ab 1972 gehörte das Waldfest zu den jährlichen Veranstaltungen des Musikvereins. Höhepunkt in diesem Jahr war jedoch die Rundfunkaufnahme für die Sendung "Mit Sang und Klang aus Stadt und Land", in der die Gemeinde Grafenberg und deren Vereine vorgestellt wurden.

Das 50-jährige Vereinsjubiläum im August 1976 wurde im großen Rahmen mit der neuen Partnerkapelle aus Mettmach/Oberösterreich gefeiert. Seit 1978 bildete das zweitägige Kirbefest des Musikvereins einen weiteren jährlichen Höhepunkt im Vereinsleben. Auch die anderen örtli-chen Vereine entwickelten immer mehr Aktivitäten. Ob beim Bergfest des Albvereins, beim Fußball- und Tischtennisturnier des Sportvereins, beim Herbstfest des Harmonika-Orchesters oder beim Dorffest der Gemeinde: Immer war der Musikverein gefragt und trug mit seiner Musik zum Gelingen der Veranstaltungen bei. 1980 wurde 1. Vorsitzender Franz Matuschek auch zum Vorsitzenden der Musikervereinigung Hohenneuffen gewählt. Ein Jahr später durfte der Verein wiederum das Musikfest ausrichten. Eine neue Uniform konnte 1982 angeschafft werden.

Im Jahr 1983 zog sich Fritz Lauxmann nach 15 Jahren vom Dirigentenpult zurück. Aus vielen Bewerbungen entschied sich die Kapelle für Walter Klaus aus Riederich. Unter seiner Stabführung nahm die Kapelle erneut einen enormen Aufschwung. Das erste Frühjahrskonzert wurde 1983 gleich ein voller Erfolg und ist seither nicht mehr aus dem Vereinsleben wegzudenken. Auch die Jugend konnte begeistert werden und so verwundert es nicht, dass die Kapelle zahlenmäßig immer stärker wurde bis zum Höchststand von 38 Musikerinnen und Musikern. Erstmals wurde zusammen mit dem Musikverein Riederich offiziell eine Jugendkapelle gegründet.

Das 60-jährige Vereinsjubiläum feierten die Grafenberger Musikanten 1986, gleichzeitig die 10-jährige Partnerschaft mit den Musikfreunden aus Mettmach. In diesem Jahr konnten dank vieler Spenden erstmals Pultbehänge angeschafft werden. Unvergesslich bleiben allen Aktiven wohl die Großkonzerte 1987 in Metzingen und 1988 in Mettmach. 1989 folgte das nächste Musikfest der Musikervereinigung Hohenneuffen, das wieder einen vollen Erfolg brachte.

In der Hauptversammlung 1992 wurde ein Generationenwechsel vollzogen. 1. Vorsitzender Franz Matuschek gab nach 26-jähriger Führung sein Amt ab und wurde ein Jahr später zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Kommissarisch führte Peter Mayer das Vereinsschiff, bis 1993 Reinhold Bader einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Im selben Jahr konnte erstmals die Marke von 200 Mitgliedern im Musikverein überschritten werden. Nach 8-jähriger Vorstandstätigkeit gab Reinhold Bader die Vereinsführung im Jubiläumsjahr 2001 an Peter Mayer ab.

Ein weiteres Highlight in der Vereinsgeschichte war zweifellos das 3-tägige Zeltfest, das im Rahmen des MVH-Festes und anlässlich des 100jährigen Jubiläums des TSV Grafenberg gemeinsam mit den Sportlern des TSV durchgeführt wurde. Die Klostertaler waren am Samstag Abend zu Gast, und mehr als 2400 Zuschauer waren begeistert. Leider rechnen sich jedoch solche großen Zeltfeste unterm Strich nicht mehr, so dass dies wohl auf absehbare Zeit das letzte Zeltfest des MV Grafenberg war.

Da im Laufe der Jahre die Aufgaben für die Vorstandschaft immer zahlreicher und umfangreicher wurden, stand schließlich im Jahre 2009 eine Strukturreform an. Die Vorstandschaft wurde von 3 auf 5 Mitglieder erweitert, und seit der Hauptversammlung am 6. März 2009 wird nun den Verein von einem Gremium gleichberechtigter Vorstände mit klarer Aufgabenteilung geleitet: Rainer Mayer (Vorstand Öffentlichkeitsarbeit), Andreas Fischer (Verwaltungsvorstand), Jutta Thüringer (Musikervorständin) und Emil Wurster (Finanzvorstand) steuern nun gemeinsam das Vereinsschiff. Der Posten des Wirtschaftsvorstandes blieb vorläufig unbesetzt.

Die eigenen, im Laufe der Jahre aufgebauten Veranstaltungen wie z. B das Waldfest, der Faschingstanz, das Frühjahrskonzert, der Maitanz, das Kirbefest, die Lollies-Party, das Kulturwochenende in der Kelter oder neuerdings der Frühschoppen wurden nach und nach zum festen Bestandteil einer regen Vereinsarbeit zur Finanzierung der hohen Ausgaben. Auch die lange Zeit durchgeführten Altpapier- und Alteisensammlungen (wird 2016 erstmals wieder durchgeführt) , seit einigen Jahren die Verteilung der gelben Säcke sowie die regelmäßigen Kurkonzerte in Bad Urach und andere Auftritte tragen zum Auffüllen der Vereinskasse bei. Dass die Pflege der Kameradschaft aber in all den Jahren nie zu kurz kam, zeigen die vielen Vereinsausflüge, Kameradschaftsabende und Verbindungen zu befreundeten Musikkapellen in der näheren und weiteren Umgebung, ja selbst über die Landesgrenzen hinaus. Seit ein paar Jahren trägt auch ein Probewochenende vor dem Frühjahrskonzert zur Vertiefung der Kameradschaft innerhalb der Kapelle bei.

Auf die Jugendarbeit wird beim Musikverein seit jeher großen Wert gelegt. Die Jugendlichen werden seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der Musikschule Metzingen ausgebildet, was eine hohe Qualität der Ausbildung verspricht. Jugendleiter Alexander Früh hat sich zum Ziel gesetzt, die Jugendlichen auch neben der musikalischen Seite immer wieder bei Freizeitaktivitäten zusammenzubringen, um das Zugehörigkeitsgefühl zum Verein zu verstärken.

Der Musikverein Grafenberg

Dirigenten

1926 - 1929 Herr Greiss
1929 - 1934 Herr Lehmaier
1934 - 1936 Herr Rump
1936 - 1938 Herr Geissler
1938 - 1958 Robert Völter
1958 - 1961 Karl Kißlich
1961 - 1969 Ernst Mayer
1969 - 1983 Fritz Lauxmann
1983 - heute Walter Klaus     

Vorstände

1926 - 1929 Hermann Gehring
1929 - 1933 Fritz Bosch
1933 - 1935 Jakob Maisch
1935 - 1938 Fritz Buchmann
1938 - 1947 Otto Doster
1947 - 1956 Robert Hauber
1956 - 1966 Fritz Knoblauch
1966 - 1992 Franz Matuschek
1992 - 1993 Peter Mayer
1993 - 2001 Reinhold Bader
2001 - 2009 Peter Mayer
2009 - heute Gremium: Rainer Mayer, Andreas Fischer, Jutta Thüringer und Emil Wurster