Vorträge

Vortragsreihe der Gesellschaft 2017 in Stuttgart

Vielfalt und Kontrast: archäologische Forschungen zur Merowingerzeit (5.-8. Jahrhundert)

Donnerstag, 23. Februar 2017

Das frühe Mittelalter im Mitteleuropa des 5. – 8. Jhd. n. Chr.

Prof. Dr. Joern Staecker, Tübingen

Innerhalb weniger Generationen gelang es den Franken, ihren Herrschaftsraum im spätantiken Mitteleuropa um ein Vielfaches auszubauen und zu festigen. Bei diesem Eroberungszug gab es aber auch Verlierer wie z.B. die Alamannen und Bajuwaren, denen es nicht gelang ihre Herrschaft zu sichern und unabhängig zu verbleiben. Der Vortrag beleuchtet diesen Prozess und stellt die Frage, ob und wie die Abhängigkeiten zum Frankenreich im archäologischen Fundmaterial sichtbar sind.

 Donnerstag 9. März 2017

Kupfermünzen und Heiligengräber: Einblicke in die Bestattungskultur romanischer Bevölkerung im Westen des Frankenreichs

Dr. Gabriele Graenert, Stuttgart

 Vielfalt und Gegensätze kennzeichnen das Bestattungswesen im merowingischen Frankenreich: In den Gebieten des alamannischen Herzogtums ist etwa eine an Beigaben reiche Grabausstattung üblich, also mit allem, was man für ein Jenseits benötigt, das der diesseitigen Lebenswirklichkeit sehr nahe kommt. Demgegenüber stellt sich die beigabenlose Kirchenbestattung als Ideal der Romanitas dar. Sie ist Ausdruck einer gottgefälligen christlichen Lebensführung und der Sorge um das Seelenheil.

Anhand exemplarischer Fundplätze werden die Eigenheiten der romanischen Bestattungssitten dargestellt und Wechselwirkungen mit dem Totenbrauchtum einer landläufig als germanisch bezeichneten Bevölkerung aufgezeigt.

 Donnerstag 23. März 2017

Donauabwärts: Alamannische Netzwerke ins Karpatenbecken

Dr. Dieter Quast, Mainz

 Die Donau war auch in alamannischer Zeit eine wichtige Verkehrsader. Es verwundert daher kaum, dass wir auch im Frühmittelalter über weite Strecken Kontakte zwischen Südwestdeutschland und Ungarn, Mähren und der Slowakei nachweisen können. Diese Kontakte waren besonders intensiv in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Diese Kontakte werden von vielen Kollegen als Ergebnis von Migration(en) in den Westen interpretiert. Deutliche fränkisch-alamannische Einflüsse werden im 6. Jahrhundert im langobardenzeitlichen Ungarn greifbar. Sie werden nicht mit Migration in Verbindung gebracht. Im Vortrag werde diese unterschiedlichen Interpretationen verglichen und die Frage nach der Verbreitung archäologischer Funde diskutiert

 Donnerstag 4. Mai 2017

30 Jahre Lauchheim „Wasserfurche“. Von der Ausgrabung zur Auswertung des größten frühmittelalterlichen Bestattungsplatzes Südwestdeutschlands

Dr. Benjamin Höke, Esslingen

 Auch 30 Jahre nach seiner Entdeckung behauptet der Fundplatz Lauchheim „Wasserfurche“ mit über 1400 Bestattungen noch immer seinen wissenschaftlichen Rang als größtes bekanntes und nahezu vollständig dokumentiertes merowingerzeitliches Gräberfeld in Südwestdeutschland. Der Vortrag zeichnet die Entwicklung der in Lauchheim ansässigen frühmittelalterlichen Dorfgemeinschaft über 250 Jahre hinweg nach und präsentiert Gräber – vom einfachsten Begräbnis bis hin zur reichsten Grabhügelbestattung –, die viel über das Leben und Sterben in der damaligen Zeit verraten. Es entsteht das vielschichtige und doch klare Bild einer dynamischen Gesellschaft, die sich auf ihrem Weg zwischen Tradition und neuen Impulsen stetig neu definiert. Letzteres gilt auch für die Gräberfeldarchäologie: in dem Vortrag werden daher auch die innovativen Methoden und aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen, die in der Erforschung des frühmittelalterlichen Lauchheim zur Anwendung kamen und kommen, thematisiert.

 Donnerstag 18. Mai 2017

Menschliche Skelettreste aus dem frühen Mittelalter – Über Leben, Leiden und Sterben unserer Vorfahren in Südwestdeutschland

Prof. Dr. Joachim Wahl

„Das frühe Mittelalter gehört aus anthropologischer Sicht zu den am besten erforschten Epochen der Vorgeschichte. Alleine aus Baden-Württemberg sind bislang rund 5000 Gräber aus dieser Zeit bekannt, ein Teil davon noch nicht untersucht und publiziert. Aus den bereits wissenschaftlich bearbeiteten Skelettresten ergeben sich detaillierte Einblicke hinsichtlich des Erscheinungsbildes der Menschen sowie der Lebensumstände, mit denen sie seinerzeit konfrontiert waren.“

 Beginn der Vorträge jeweils 19 Uhr

Ort: Vortragssaal im Landesmuseum Württemberg

Eintritt: 6 € (Mitglieder 4,-- € )

Geheimnisvolle Vergangenheit - Moderne Archäologie. Entdecken - bergen - restaurieren.

Eine Vortragsreihe der VHS Schwäbisch Gmünd in Kooperation mit der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V. und dem Schwäbisch Gmünder Arbeitskreis Archäologie.

Veranstaltungsort: VHS Schwäbisch Gmünd, VHS am Münsterplatz, Saal B 0.2

Veranstaltungsbeginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 6,00 €

Dienstag, 14. Februar 2017

Hoch zu Ross - Die Erforschung einer edlen Dame.

Dipl.-Rest. Nicole Ebinger-Rist, Esslingen

Die Ende 2010 im Kreis Sigmaringen freigelegte Grabkammer einer vor ca. 2600 Jahren bestatteten frühkeltischen Fürstin gehört zu den wichtigsten und spektakulärsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte in Deutschland. Bei den Ausgrabungen, die unter Laborbedingungen und Einsatz modernster Methoden durchgeführt werden, sind einmalige Beigaben zum Vorschein gekommen. Neben qualitätsvollem Gold- und Bernsteinschmuck wurde unter anderem das Zaumzeug eines Pferdes entdeckt. Der Vortrag beschäftigt sich mit den spannenden Freilegungsarbeiten der 4,60 m mal 3,60 m großen Grabkammer sowie deren Dokumentation und präsentiert erste Ergebnisse.

Dienstag, 14. März 2017

Die Raetische Mauer und die Herrschaft der Severer

Dr. Stephan Bender, Aalen

Die raetische Mauer ist unter der Herrschaft des römischen Kaisers Septimius Severus zu Beginn des 3. Jahrhunderts errichtet worden. Erst seit wenigen Jahren ist diese bedeutende historische Einordnung möglich. Der Vortrag befasst sich mit dem Aussehen und den Besonderheiten dieses großen Bauwerks, fragt aber auch nach dem Grund für den Bau der Mauer. Herrschaftsideologie und Beziehungen zwischen Raetien und dem Kaiser Caracalla, des ältesten Sohns von Kaiser Septimius Severus und Mitherrscher, werden zwangsläufig thematisiert Auch die Frage, was es mit dem am gesamte Limes einzigartigen Limestor in Rainau-Dalkingen wirklich auf sich hat wird diskutiert werden.

 Dienstag, 04. April 2017

 Mauerschau - vorgeschichtliche Wehranlagen am Trauf der Schwäbischen Alb

Dr. Christian Bollacher, Esslingen

Der Rosenstein bei Heubach trägt ebenso wie seine beiden Nachbarberge Hochberg und Mittelberg die eindrucksvollen Reste vorgeschichtlicher Befestigungsanlagen. Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Fäden der archäologischen Forschung am Rosensteinmassiv, die mit den Tätigkeiten Franz Kellers und Friedrich Hertleins vor nahezu 100 Jahren abgerissen sind, wieder aufzunehmen. Der Vortrag stellt erste Ergebnisse vor und sucht nach Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Anlagen wie etwa dem Heidengraben bei Grabenstetten.

Entdeckungen im Landkreis Ludwigsburg

Vorträge zur derzeitigen Sonderausstellung „Schicksalsfunde – Fundschicksale, Begegnungen im Kreis Ludwigsburg

Dienstag, 7. März 2017

Prof. Dr. Joachim Wahl, Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Konstanz, Osteologie

 Knochen – Menschen – Schicksale

Skelettreste dokumentieren das Leben, Leiden und Sterben unserer Vorfahren

Die Untersuchung menschlicher Knochenreste erlaubt mannigfache Einblicke in die Lebensumstände früherer Epochen. Neben dem Sterbealter und dem Geschlecht der Verstorbenen lassen sich daran Maße zur Berechnung der Körperhöhe, Anzeichen von Krankheiten oder Verletzungen und bisweilen auch Hinweise auf die Todesursache gewinnen. Mit Hilfe archäometrischer Analysen sind zudem die Rekonstruktion von Verwandtschaftsverhältnissen und der Ernährungsbedingungen oder die Aufdeckung eines Migrationshintergrunds möglich. In Ausnahmefällen kommen auch Methoden der Gerichtsmedizin zum Einsatz.

 Donnerstag, 23. März 2017

 Archäologischer Schnitt durch das Neckarland -
Entdeckungen auf der 190 km langen Trasse der EPS-Pipeline

Dr. Jörg Bofinger, Referat 84.2 - Archäologische Denkmalpflege, Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart

 Die archäologische Begleitung der Baumaßnahmen entlang der Ethylen-Pipeline Süd (EPS), war eines der ersten linearen Großprojekte dieser Art der Landesarchäologie in Baden-Württemberg. Diese Fernleitung, in der Ethylen zwischen den Chemiestandorten in Ludwigshafen am Rhein und Burghausen in Bayern transportiert wird, führt über eine Strecke von knapp 190 km quer durch das nördliche Baden-Württemberg. Für die schweren Baumaschinen musste eine breite Schneise als Arbeitsstreifen durch die Landschaft gezogen werden.

Im Zuge der Baubegleitung auf der EPS-Trasse wurden auch im Kreis Ludwigsburg zahlreiche Fundstellen dokumentiert, darunter eine beträchtliche Anzahl an Neuentdeckungen mit teils außergewöhnlichen Fundstücken. Dazu zählen beispielsweise das Depot mehrerer keltischen Eisenbarren oberhalb des Neckars, steinzeitliche Gräber oder ein neuer alamannischer Friedhof.

Die archäologische Überwachung solcher linearer Großprojekte stellt auf der einen Seite einen enormen logistischen Aufwand und eine denkmalpflegerische Herausforderung dar, andererseits bieten sich dank eines „ungefilterten“ Querschnitts durch das Land ganz neue Möglichkeiten der Einschätzung und Beurteilung archäologischer Kulturlandschaften, die für das zukünftige Handeln der archäologischen Denkmalpflege wichtige Basisdaten liefern können.

 Donnerstag, 6. April 2017

Die gerettete Vergangenheit: Neueste Grabungsergebnisse aus dem Landkreis Ludwigsburg

Dr. Christian Bollacher, Regierungspräsidium Stuttgart, Referat 84.2 – Regionale Archäologie, Schwerpunkte, Inventarisation

Egal ob auf der grünen Wiese oder in den Ortslagen der Städte und Gemeinden - der anhaltende Bauboom führt auch im Kreis Ludwigsburg zu einem stetigen Verlust geschichtsträchtigen Bodens. Die Archäologen und Grabungsspezialisten des Landesamtes für Denkmalpflege sind fieberhaft bei der Arbeit, um die letzten Zeugnisse einer Jahrtausende langen Kulturentwicklung zu dokumentieren und zu bergen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Rettungsgabungen der letzten Jahre im Landkreis und vermittelt Einblicke in längst vergangene Lebenswelten, die allein mit den Methoden der Archäologie zu gewinnen sind.

Es folgt ein weiterer Vortrag, der die Merowingerzeit im Landkreis Ludwigsburg zum Thema haben wird. Aufgrund einer momentanen Erkrankung des Referenten kann er noch nicht terminiert und vorgestellt werden.